Vorhofflimmern - Herzrhythmusstörung (Arrhythmien)

Vorhofflimmern - Herzrhythmusstörung (Arrhythmien)
Ursache, Symptome, Diagnostik, Behandlung

Autor: Univ. Prof. Dr. R. KarnikUniv. Prof. Dr. Ronald Karnik - Facharzt für Innere Medizin, Angiologie, Kardiologie

FA für Innere Medizin,
Angiologie, Kardiologie

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Vorhofflimmern heißt in der Fachsprache Arrhythmia absoluta (das vollständig arrhythmische Herz). Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herz-Rhythmusstörungen, vor allem bei älteren Menschen. So sind etwa 4% der über 65-jährigen und mehr als 8% der über 80-jährigen betroffen. Typisches Anzeichen dieser Herzrhythmusstörung ist ein unregelmäßiger und meist schneller Puls. Viele Patienten klagen außerdem über Symptome wie Herzstolpern, Atemnot und Angstgefühl. Oft bleibt das Flimmern aber auch völlig unbemerkt. Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, wie zum Beispiel ein Kammerflimmern, kann aber gefährliche Folgen haben.

Patienten mit Vorhofflimmern haben ein gesteigertes Embolie-Risiko, da sich Thromben im Herzen bilden können, die durch den Blutstrom verschleppt, embolische Verschlüsse von Arterien, insbesondere im Gehirn (Schlaganfall!!) verursachen können.

Aus diesem Grund sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn Ihr Herz aus dem Takt gerät. Die bei med.at eingetragenen Herzspezialisten finden Sie hier.

Vorhofflimmern wird in verschiedene Stadien eingeteilt

Paroxysmales Vorhofflimmern

Vor allem jüngere Patienten und Patienten, die an idiopathischem (ohne erkennbarer Ursache) Vorhofflimmern leiden, erleben periodisch auftretende Episoden des Vorhofflimmerns. Diese können Sekunden, Stunden und gelegentlich auch bis zu sieben Tagen andauern, wobei das Flimmern meist innerhalb der ersten 48 Stunden wieder aufhört.

Persistierendes Vorhofflimmern

Manchmal hören Episoden des Vorhofflimmerns nicht von selbst auf, können aber durch ein Medikament oder in Kurznarkose mit einem elektrischen Stromstoß (medikamentöse oder elektrische Kardioversion), beendet werden. Diese Form wird „persistierendes Vorhofflimmern“ genannt.

Permanentes Vorhofflimmern

Permanentes Vorhofflimmern bedeutet, das der Sinusrhythmus weder mit Medikamente noch mit Elektroschock wieder hergestellt werden kann. Dies kommt vor allem bei Älteren, bei Vorliegen anderer Herzleiden und bei lange bestehendem Vorhofflimmern häufiger vor.

Vorhofflimmern wird in verschiedene Stadien eingeteilt:

Herz und Vorhofflimmern - Herzrhythmusstörung

Beim Vorhofflimmern zieht sich die Vorhofmuskulatur des Herzens (Vorhofkontraktion) ungeordnet (arrhythmisch) und sehr schnell zusammen. Grund dafür ist, das der Sinusknotens (SN-Knoten) als normaler Taktgeber der Herzfrequenz nicht richtig funktioniert und zusätzlich werden von sogenannten fokalen Herden (Foki), die meist ihren Ursprung in den Lungenvenen haben, falsche elektrische Signale gesendet. Diese lassen eine ungeordnete kreisende Erregungsfront (Reentry Kreislauf) in den Vorhöfen (Ventrikeln) entstehen, sodass hier die sehr schnellen und unrhythmischen Vorhofkontraktionen ausgelöst werden. Beim Vorhofflimmern ist die Frequenz in der Vorhöfe höher als 350 Schläge in der Minute und kann sogar Werte über 600 Schläge/min (zum Vergleich: normal sind 60-80 Schläge pro Minute) annehmen.

Aufgrund dieser hohen Flimmerfrequenz (supraventrikuläre Tachykardien) wird von den beiden Vorhöfen keine bzw. stark eingeschränkte Pumpleistung erbracht, es besteht gewissermaßen ein Vorhofstillstand. Damit gehen bis zu 20% der gesamten Herzleistung verloren, wodurch unbehandelt verschiedene Folgeerkrankungen entstehen können.

Glücklicherweise fungiert der AV-Knoten als eine Art "Wächter" (AV-Block), der nicht jedes abnorme elektrische Signal in die Herzkammern übergehen lässt und somit schützt er vor einem gefürchteten Kammerflimmern, das von einer lebensbedrohlichen Situation bis hin zum Tod des Betroffen führen kann.
Trotz des AV-Blocks besteht aber meist immer noch eine erhöhte Herzkammerfrequenz (Ventrikelfrequenz) die meist höher als 100 Schlägen/Minute ist und bis zu 160 Schläge/Minute und auch mehr erreichen kann, wobei der Herzschlag jedenfalls unregelmäßig (Tachyarrhythmia absoluta) ist.

Es kommt auch vor, dass bei einem Vorhofflimmern auch eine normale aber unregelmäßige Pulsfrequenz, zwischen 50 und 100 Schlägen in der Minute, besteht (Arrhythmia absoulta).
In einzelnen Fällen kann die Herzfrequenz auch unter 50 Schlägen in der Minute sein, wobei der Herzschlag ebenfalls unrhythmisch (Bradyarrhythmia absoluta) ist.

Ursachen - Vorhofflimmern

Meist ist Vorhofflimmern die Folge einer bestehenden Herzerkrankung, aber auch andere Erkrankungen können die Ursache für Vorhofflimmern sein. Manchmal läßt sich auch keine Ursache (zirka 10 %) finden, die Mediziner nennen dies idiopathisches Vorhofflimmern oder "lone atrial fibrillation".

Erkrankungen die zu Vorhofflimmern führen

Mögliche Ursachen durch Herzerkrankungen (kardial)

  • Hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie)
  • Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt
  • Herzklappenerkrankungen (rheumatisch oder nicht rheumatisch bedingt)
  • Andere Herzrhythmusstörung mit Fehlfunktion des Sinusknotens (Sick-sinus-Syndrom)
  • Vergrößerung des Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie)
  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
  • Defekt in der Wand zwischen den Vorhöfen (Vorhofseptumdefekt)
  • Herztumor (Vorhofmyxom)

Nicht durch Herzerkrankung (extrakardial) bedingte Ursachen

  • Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Alkoholmissbrauch (chronischer Alkoholabusus)
  • Akute Infektionen (vor allem Lungenentzündungen)
  • Lungenkrebs
  • Lungenembolie
  • Nach Operationen innerhalb des Brustkorbs (z.B. Bypass-Op)
  • Ohne erkennbar Erkrankung (idiopathisch; lone atrial fibrillation) - zirka 10% der Patienten

Wodurch wird Vorhofflimmern begünstigt?

Beim idiopathischen Vorhofflimmern, also bei Rhythmusstörungen ohne erkennbarer Ursache, wird Vorhofflimmern häufig durch emotionalen Stress oder exzessiven Alkohol- und Kaffeekonsum ("holiday heart syndrom") ausgelöst. Jedoch liegen, wie oben bereits beschrieben, oft organische Herzerkrankung vor, wobei die untenstehenden Auslöser (Trigger) Vorhofflimmern noch zusätzlich provozieren.

Häufige Auslöser für Vorhofflimmern:

  • hoher Alkoholkonsum
  • übermäßiger Kaffee- oder Teekonsum
  • Nikotin- und Drogenkonsum
  • häufiger Schlafmangel
  • emotionaler Stress
  • opulente Mahlzeiten
  • Mineralstoffmangel, vor allem Kalium und Magnesium
  • bestimmte Medikamente

Beschwerden - Vorhofflimmern

Entscheidend für das Beschwerdebild ist die Kammerfrequenz während des Vorhofflimmerns, dessen Dauer sowie die Ausgangsherzleistung des Betroffenen. Bei vielen Patienten tritt Vorhofflimmern ohne Beschwerden auf und bleibt deshalb unbemerkt. Die Erkrankung wird häufig zufällig z.B. während eines Gesundheits-Check-Up entdeckt oder aufgrund von Komplikationen bzw. durch die Folgen von Vorhofflimmern die Erkrankung festgestellt.

Patienten mit Beschwerden klagen häufig über einen massiven Verlust der Lebensqualität, die von einer starken körperlichen Leistungseinschränkung bis zu einer hoher psychischen Belastung reicht. Oftmals führt aber die Behandlung durch den Arzt zu einer schlagartigen Besserung der Beschwerden.

Beschwerden die auf Vorhofflimmern hindeuten können:

  • Herzklopfen oder -stolpern; das Herz "schlägt bis zum Halse"
  • Herzrasen (Tachykardie) - schneller Puls
  • langsamer Pulsschlag (Bradykardie)
  • Atemnot
  • Schnelle Ermüdbarkeit
  • körperliche Schwäche
  • kurzzeitige Ohnmacht (Synkope)

Diagnostik - Vorhofflimmern

Neben der Erhebung der Patientenvorgeschichte (Anamnese) erfolgt die körperliche Untersuchung des Patienten, bei der Blutdruck und Pulsfrequenz überprüft werden. Weiterhin wird der Arzt, Herz und Lunge abhören. Neben einem Ruhe-EKG wird er gegebenfalls weitere Untersuchungen anordnen, um einerseits die Ursachen (siehe unter Ursachen) für die Erkrankung herauszufinden und andererseits den therapeutischen Ansatz zur Beseitigung dieser Herzrhythmusstörungen festlegen zu können. Die Untersuchungen können je nach Erkrankung sehr umfangreich werden, hier beschränken wir uns auf die Untersuchungen die sich speziell auf Vorhofflimmern beziehen.

Die bei med.at eingetragenen Spezialisten für Herzerkrankungen bzw. Vorsorgeuntersuchungen des Herzens finden Sie hier.

Spezielle Herzuntersuchungen bei Vorhofflimmern

  • Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG)
  • Langzeit-EKG
  • Echokardiographie (med.at-Spezialisten) - Stress-Echokardiographie (Ultraschall des Herzens)
  • Schluck-Echokardiographie (transösophageale Echokardiographie - TEE)
  • Laboruntersuchungen: Neben den allgemeinen Blutuntersuchungen (Blutfette, Leber-, Nierenwerte, usw.) sollte speziell durch eine Bestimmung des TSH-Wertes eine Schilddrüsenüberfunktion ausgeschlossen werden. Weiters können in einer Vollblutanalyse die Blutsalze (Elektrolyte) Magnesium und Kalium bestimmt werden.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ggf. mit computergestützer Darstellung der elektrischen Erregung des Herzens (Mapping)

Therapie - Vorhofflimmern

Das Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende und potentiell gefährliche Erkrankung, deshalb ist eine effektive Behandlung sehr wichtig.

Eine effektive Therapie wird folgende Ziele erreichen

  1. die akuten Beschwerden während des Vorhofflimmerns nehmen
  2. das Auftreten von Folgeerkrankungen verhindern
  3. die Lebenserwartung des Betroffenen verlängern

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist aber eine sehr komplexe medizinische Herzausforderung und richtet sich vor allem nach den ursächlichen Faktoren oder Krankheiten. Es muss also zunächst die zu Grunde liegende Erkrankung behandelt werden und zusätzliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol-, Drogen- und Nikotinkonsum eliminiert werden.

In den meisten Fällen kann Vorhofflimmern mit Medikamenten erfolgreich behandelt werden. Dazu stehen grundsätzlich zwei Methoden zur Verfügung: die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) oder die Frequenzkontrolle, das heißt die Duldung des Vorhofflimmerns, verbunden mit der Regulierung der stark wechselnden und teils sehr schnellen Schlagfolge der Herzkammern. Beide Therapiestrategien führen häufig zu einem raschen Abklingen der Beschwerden.

Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, welche Therapie-Strategie für Sie die richtige ist. Die bei med.at eingetragenen Spezialisten für Herzerkrankungen finden Sie hier.

Medikamentöse Therapie - Antiarrhythmika:

In einigen Fällen werden Medikamente verschrieben, mit dem Ziel, das Auftreten des Vorhofflimmerns zu unterdrücken und somit den normalen Sinusrhythmus zu stabilisieren („Rhythmuskontrolle“).

Eine Vielzahl von Patienten erhält jedoch Medikamente, welche die Auswirkung des Vorhofflimmerns auf eine zu schnelle Überleitung auf die Hauptkammern reduzieren und so die Beschwerden lindern („Frequenzkontrolle“).

Ob zusätzlich blutverdünnende Medikamente gegeben werden müssen, entscheidet der Arzt. Er wird dabei unter Einbeziehung aller vorliegenden Befunde und der neuesten medizinischen Erkenntnisse, den Nutzen bzw. das Risiko dieser Medikation gegenüber stellen.

Therapie - elektrischen Kardioversion:

Tritt das Vorhofflimmern nur selten auf, hält aber lange an, kann mit einer elektrischen Kardioversion („Elektroschock“) der normale Rhythmus wiederhergestellt werden.

Interventionen und Eingriffe:

Bringen konservative Therapie-Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, können invasivere (in den Körper eindringende) Methoden in Erwägung gezogen.

  • Verödung mittels Katheter-Ablation
  • Pulmonalvenenisolation
  • In manchen Fällen auch die Operation.

Vorbeugen - Vorsorgen

Einer Herzrhythmusstörung selber lässt sich nicht vorzubeugen. Wohl aber vielen auslösenden Erkrankungen und Umständen.

Viele der Risikofaktoren lassen sich durch eine gesunde Lebensweise vermeiden beziehungsweise vermindern:

Mit der Behandlung von zu Grunde liegenden Erkrankungen verschwinden meistens auch die Herzrhythmusstörungen. Insbesondere Bluthochdruck, Herzinfarkt, Angina Pectoris, koronare Herzkrankheit und Schilddrüsenüberfunktion sind unter anderen hier von Bedeutung.

Wie beschrieben können auf eigenständige Probleme der "Herzelektrik" Betroffene keinen Einfluss nehmen. Sie können die Häufigkeit der Rhythmusstörungen aber mit einer gesunden Lebensweise (Ernährung, Bewegung, genügend Schlaf etc.) günstig beeinflussen.

Risikofaktoren wie Übergewicht, zuviel Tee- Kaffeekonsum, Alkohol-, Nikotin- und Drogenmissbrauch oder Medikamentenmissbrauch müssen ausgeschaltet oder vermindert werden.

Komplikationen - Vorhofflimmern

Erhöhtes Schlaganfall-Risiko

Da durch das Vorhofflimmern eine wirksame Vorhofkontraktion ausbleibt, wird das Blut langsamer vom Herzen weg befördert, und die Blutzirkulation im Herzen kommt quasi zum Erliegen. Das sind ideale Bedingungen für eine Gerinnselbildung im Herzen. Diese Blutgerinnsel können mit dem Blut ausgeschwemmt werden und zu einem Gefäßverschluss (Embolie) führen. Etwa jeder dritte bis vierte Patient mit Vorhofflimmern macht im Laufe seines Lebens ein Embolieereignis durch. Das Risiko, auf diese Weise einen Schlaganfall zu erleiden, ist für jeden Patienten unterschiedlich hoch. Es ist abhängig vom Alter des Patienten (ab dem 75. Lebensjahr besteht ein sehr hohes Risiko), Dauer des Vorhofflimmerns und von Vorerkrankungen wie z. B. Herzmuskelschwäche, Herzklappenersatz, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder schon durchgemachtem Schlaganfall.

Reduzierte Herzleistung

Die Pumpleistung des Herzens wird durch den schnellen und unregelmäßigen Herzschlag mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Bei hohen Kammerfrequenzen können dagegen ein Blutdruckabfall und Linksherzschwäche (Schwäche der linken Herzkammer) bis hin zum Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) auftreten.



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Wichtiger Hinweis: Die angegebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt! Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.