Vorhofflattern- Herzrhythmusstörung (Arrhythmien)

Vorhofflattern - Herzrhythmusstörung (Arrhythmien)
Ursache, Symptome, Diagnostik, Behandlung

Autor: Dr. Gerhard BonnerOA Dr. Gerhard Bonner - Facharzt für Innere Medizin, Angiologie, Kardiologie

FA für Innere Medizin,
Angiologie, Kardiologie

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Der natürliche Rhythmus des Herzschlags hat die Aufgabe, mit möglichst wenig Energie eine möglichst große Blutmenge in den Kreislauf zu pumpen. Die Herzfrequenz wird bei körperlicher Belastung schneller, während sie sich im Ruhezustand und im Schlaf verlangsamt. Die Steuerung des Herzschlags erfolgt über das vegetative Nervensystem, unterliegt also nicht dem eigenen Willen. Im Normalzustand schlägt das Herz zwischen 60 und 100 Mal pro Minute.

Normalerweise schlägt unser Herz im so genannten Sinusrhythmus. Dabei geht vom SN-Knoten (Sinusknoten) des Herzens ein elektrischer Impuls aus, der sich innerhalb weniger hundertstel Sekunden auf den ganzen Herzmuskel ausbreitet und so zu einer koordinierten Zusammenziehung des Herzmuskels führt. Diese elektrische Nervenleitung geschieht über AV-Knoten (Atrioventrikularknoten, His-Bündel und Purkinjefasern, bis schließlich auch die letzte Herzmuskelzelle den Befehl zur Zusammenziehung erhalten hat. Der Sinusknoten stellt also gewissermaßen die Zündkerze des „Motors Herz“ dar und er befindet sich an der Oberseite des rechten Vorhofes (siehe Abbildung).

Vorhofflattern ist eine Herzrhythmusstörung uns Sie sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn Ihr Herz aus dem Takt gerät. Die bei med.at eingetragenen Herzspezialisten finden Sie hier.

Herz und Vorhofflattern - Herzrhythmusstörung

Bei Vorhofflattern kommt es zu unterschiedlichen Schlagfrequenzen zwischen Herz-Vorhof und Herzkammern. Bei Vorhofflattern hat man einen schnellen, jedoch regelmäßigen Herzrhythmus im Vorhof, dabei beträgt die Vorhoffrequenz (atriale Frequenz) in etwa zwischen 240 und 350 Herzaktionen pro Minute. Der AV-Knoten bremst diese hohe Schlagfrequenz ab, häufig wird dabei nur jede 2. Vorhoferregung (= 2:1 Überleitung - aber auch Überleitungen im Verhältnis 3:1 bis 4:1 sind möglich) auf die Herzkammer weitergeleitet. Anders ausgedrückt: Wenn z.B. der Vorhof in einer Frequenz von 240 Schlägen in der Minute schlägt, kommt es bei einer 2:1 Überleitung, in den Herzkammern zu einer Frequenz von 120 Schlägen in der Minute.

Das Vorhofflattern geht häufig in ein Vorhofflimmern über, kann aber auch, durch eine sogenannte 1:1 Überleitung ungebremst auf die Herzkammer übergehen, dabei kommt es zu einem lebensbedrohlichen Herzrsasen.

Das Vorhofflattern tritt seltener auf, als das Vorhofflimmern (= zirka 10 - 20 Mal häufiger). Häufig findet sich neben dem Vorhofflimmern ein typisches oder atypisches Vorhofflattern. Oft gehen auch beide Arrhythmien ineinander über. Meist findet sich als Ursache für beide Formen der Herzrhythmusstörung eine bedeutende Erkrankung, wie z.B. Bluthochdruck, Herzmuskelerkrankungen, Überfunktion der Schilddrüse und andere.

Vorhofflattern kann anfallsweise (paroxysmal) auftreten oder andauernd (persistierend, permanent) bestehen:

Anfallsweise Vorhofflattern:

Bei der anfallsweisen Form springt der Herzrhythmus spontan, meist innerhalb von 48 Stunden, wieder in einen normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) um.

Andauerndes Vorhofflattern:

Bei der andauernden Form schaltet der Herzrhythmus nicht von selbst wieder in den Sinusrhythmus. Hier können nur therapeutische Maßnahmen einen normalen Rhythmus wieder herstellen.

Bezüglich der Häufigkeit von Vorhofflattern gibt es keine statistischen Werte, da wie beschrieben Vorhofflattern häufig in Vorhofflimmern übergeht. Jedoch steigt die Anzahl der Betroffenen, wie beim Vorhofflimmern, mit zunehmenden Lebensalter stark an.

Häufigkeit von Vorhofflimmern: Vorhofflimmern kommt beim Jugendlichen sehr selten vor, bei den über 60. Jährigen sind zirka 4%, über dem 80. Lebensjahr zirka 8% betroffen - wobei die statistischen Angaben in der Literatur sehr schwanken,

Ursachen - Vorhofflattern

Beim Vorhofflattern hat der Sinusknoten seine normale Funktion als Taktgeber verloren. Vorhofflattern wird durch kreisende Erregungsstörungen (Makro-Reentry-Kreislauf - siehe Bild oben) typischerweise im rechten Vorhof des Herzens verursacht (seltener im linken Vorhof - atypisch).

Oft ist Vorhofflattern die Folge einer Dehnung der Vorhöfe und/oder eine andere Schädigung des Herzens. Häufig sind auch andere Erkrankungen die Ursache für Vorhofflattern.

Häufige Erkrankungen die zu Vorhofflattern führen:

  • Hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie)
  • Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt
  • Herzklappenerkrankungen
  • Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie) wie z. B. Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Lungenerkrankungen (COPD)
  • Schwere Allgemeininfektionen
  • Herzchirurgische Operationen

Wodurch wird Vorhofflattern begünstigt?

Wie beim Vorhofflimmern kann Vorhofflattern bei herzgesunden Patienten meist anfallsartig - kann aber in eine permanente Form übergehen - auftreten. Begünstigt wird Vorhofflattern durch emotionalen Stress oder exzessiven Alkohol- und Kaffeekonsum ("holiday heart syndrom"). Jedoch liegen, wie oben bereits beschrieben, meistens bedeutende organische Herzerkrankung vor.

Häufige Auslöser für Vorhofflattern:

  • hoher Alkoholkonsum
  • übermäßiger Kaffee- oder Teekonsum
  • Nikotin- und Drogenkonsum
  • häufiger Schlafmangel
  • emotionaler Stress
  • opulente Mahlzeiten
  • Mineralstoffmangel, vor allem Kalium und Magnesium
  • In seltenen Fällen wird Vorhofflattern durch eine Überdosierung des medikamentösen Wirkstoffs Digitalis ausgelöst.

Beschwerden - Vorhofflattern

Entscheidend für das Beschwerdebild ist die Kammerfrequenz während des Vorhofflatterns, dessen Dauer, sowie die Ausgangsherzleistung des Betroffenen. Bei vielen Patienten tritt Vorhofflattern ohne Beschwerden auf und die Erkrankung wird im besten Fall zufällig z.B. während eines Gesundheits-Check-Up entdeckt. Leider wird häufig erst durch die Komplikationen bzw. durch die Folgen (siehe unter Komplikationen), die diese Form der Herzrhythmusstörung verursachen, das Vorhofflattern entdeckt.

Besonders während des Übergangs vom normalen Herzrhythmus zum Vorhofflattern werden die Beschwerden merkbarer. Vorhofflattern kann auch zu einer Erhöhung der Kammerfrequenz führen und damit ein Herzrasen (Tachykardie) auslösen.

Da der Beitrag der Vorhöfe zur Gesamtherzleistung, er beträgt etwa zehn bis zwanzig Prozent, während des Flatterns wegfällt, können sich bei einem vorgeschädigten Herzen Zeichen der Herzschwäche, z. B. Luftnot oder Zeichen der verringerten Durchblutung der Herzkranzgefäße (wie Angina pectoris) zeigen. Filtert der AV-Knoten die Signale des Vorhofes beim Übergang zu den Kammern zu stark, kann es zu einem zu langsamen Schlagen der Kammern, einer Bradykardie kommen. Es zeigen sich Übelkeit, Erbrechen und Schwindel bis hin zur Ohnmacht. Bei Vorhofflattern kann es zusätzlich zu einer vermehrten Ausscheidung von wasserhellem Urin kommen. Im flatternden Vorhof, der wie ein zitternder Blasebalg keine Pumpbewegungen mehr ausführt, sondern nur noch passiv durchströmt wird, können sich Blutgerinnsel bilden. Werden diese losgerissen, kann es zu Arterienverschlüssen kommen; diese können überall am Köper vorkommen, sind aber im Gehirn als Schlaganfall besonders gefürchtet.

Beschwerden die auf Vorhofflattern hindeuten können:

  • Herzklopfen oder -stolpern; das Herz "schlägt bis zum Halse"
  • Herzrasen (Tachykardie) - schneller Puls
  • langsamer Pulsschlag (Bradykardie)
  • Atemnot
  • Schnelle Ermüdbarkeit
  • körperliche Schwäche
  • kurzzeitige Ohnmacht (Synkope)

Diagnostik - Vorhofflattern

Neben der Erhebung der Patientenvorgeschichte (Anamnese) erfolgt die körperliche Untersuchung des Patienten, bei der Blutdruck und Pulsfrequenz überprüft werden. Weiterhin wird der Arzt Herz und Lunge abhören. Auffallend sind der unrhythmische Puls sowie ein Unterschied in der über das Stethoskop gehörten und der getasteten Pulsfrequenz. Neben einem Ruhe-EKG werden gegebenfalls weitere Untersuchungen angeordnet, um einerseits die Ursachen (siehe unter Ursachen) für die Erkrankung herauszufinden und andererseits den therapeutischen Ansatz zur Beseitigung dieser Herzrhythmusstörungen festlegen zu können. Die Untersuchungen können je nach Erkrankung sehr umfangreich werden, hier beschränken wir uns auf die Untersuchungen die sich speziell auf Vorhofflattern beziehen.

Die bei med.at eingetragenen Spezialisten für Herzerkrankungen bzw. Vorsorgeuntersuchungen des Herzens finden Sie hier.

Spezielle Herzuntersuchungen bei Vorhofflattern

  • Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG)
  • Langzeit-EKG
  • Echokardiographie (med.at-Spezialisten) - Stress-Echokardiographie (Ultraschall des Herzens)
  • Schluck-Echokardiographie (transösophageale Echokardiographie - TEE)
  • Laboruntersuchungen: Neben den allgemeinen Blutuntersuchungen (Blutfette, Leber-, Nierenwerte, usw.) sollte speziell durch eine Bestimmung des TSH-Wertes eine Schilddrüsenüberfunktion ausgeschlossen werden. Weiters können in einer Vollblutanalyse die Blutsalze (Elektrolyte) Magnesium und Kalium bestimmt werden.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ggf. mit computergestützer Darstellung der elektrischen Erregung des Herzens (Mapping)

Therapie - Vorhofflattern

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen richtet sich nach den ursächlichen Faktoren oder Krankheiten. Es muss also zunächst die zu Grunde liegende Erkrankung behandelt werden und Risikofaktoren wie Übergewicht, Drogen- oder Medikamentenkonsum, Bluthochdruck eliminiert oder behandelt werden. Je nach Art der Herzrhythmusstörung wird medikamentös, invasiv oder in Kombination behandelt.

Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, welche Therapie-Strategie für Sie die richtige ist. Die bei med.at eingetragenen Spezialisten für Herzerkrankungen finden Sie hier.

Medikamentöse Therapie - Antiarrhythmika:

In einigen Fällen werden Medikamente verschrieben, mit dem Ziel, das Auftreten des Vorhofflatterns zu unterdrücken und somit den normalen Sinusrhythmus zu stabilisieren („Rhythmuskontrolle“).

Eine Vielzahl von Patienten erhält jedoch Medikamente, welche die Auswirkung des Vorhofflatterns auf eine zu schnelle Überleitung auf die Hauptkammern reduzieren und so die Beschwerden lindern („Frequenzkontrolle“).

Ob zusätzlich blutverdünnende Medikamente gegeben werden müssen, entscheidet der Arzt unter Einbeziehung aller vorliegenden Befunde und der neuesten medizinischen Erkenntnisse, wobei er den Nutzen bzw. das Risiko dieser Medikation gegenüber stellen.

Interventionen und Eingriffe:

Bringen konservative Therapie-Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, können invasivere (in den Körper eindringende) Methoden in Erwägung gezogen.

  • Verödung mittels Katheter-Ablation
  • Kardioversion - Elektroschock

Vorbeugen - Vorsorgen

Einer Herzrhythmusstörung selber lässt sich nicht vorzubeugen. Wohl aber vielen auslösenden Erkrankungen und Umständen.

Viele der Risikofaktoren lassen sich durch eine gesunde Lebensweise vermeiden beziehungsweise vermindern:

Mit der Behandlung von zu Grunde liegenden Erkrankungen verschwinden meistens auch die Herzrhythmusstörungen. Insbesondere Bluthochdruck, Herzinfarkt, Angina Pectoris, koronare Herzkrankheit und Schilddrüsenüberfunktion sind unter anderen hier von Bedeutung.

Auf eigenständige Probleme der "Herzelektrik" können Betroffene keinen Einfluss nehmen. Sie können die Häufigkeit der Rhythmusstörungen aber mit einer gesunden Lebensweise (Ernährung, Bewegung, genügend Schlaf etc.) beeinflussen.

Risikofaktoren wie Übergewicht, zuviel Tee- Kaffeekonsum, Alkohol-, Nikotin- und Drogenmissbrauch oder Medikamentenmissbrauch müssen ausgeschaltet oder vermindert werden.

Komplikationen - Vorhofflattern

Erhöhtes Schlaganfall-Risiko

Beim Vorhofflattern können sich in den Vorhöfen Blutgerinnsel bilden. Diese Blutgerinnsel können mit dem Blut ausgeschwemmt werden und zu einem Schlaganfall, bei dem sich Gefäße im Gehirn verschließen, führen.

Reduzierte Herzleistung

Die Pumpleistung des Herzens wird durch den schnellen und unregelmäßigen Herzschlag mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Bei hohen Kammerfrequenzen können dagegen ein Blutdruckabfall und eine Linksherzschwäche auftreten.

Vorhofflattern geht häufig in ein Vorhofflimmern über.



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Wichtiger Hinweis: Die angegebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt! Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.