Myomembolisation - Entfernung eines Myoms an der Gebärmuter

Myomembolisation - radiologisch minimal-invasiver Eingriff
Entfernung eines Myoms an der Gebärmuter

Autor: Univ.-Prof. Dr. S. Thurnher Univ.-Prof. Dr. Siegfried Thurnher - Facharzt für Radiologie

Facharzt für Radiologie

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Die Myomembolisation ist ein minimal-invasives radiologisches Verfahren, welches ohne Vollnarkose und ohne Operation auskommt. Die Myomknoten werden verödet, in dem ihre Blutzufuhr und damit die Ernährung durch das Einspritzen von kleinsten Teilchen unterbunden wird. Als Folge dieser Verödung kommt es in mehr als 90 % zu einer Besserung myombedingter Beschwerden und einem Schrumpfen der Myome.

Die Embolisation zur Myombehandlung wurde von einer Pariser Arbeitsgruppe Anfang der 90er Jahre entwickelt und wird seit diesem Zeitpunkt verstärkt eingesetzt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Myomembolisation ein sicheres und effektives Verfahren zur Behandlung von myombedingten Beschwerden ist und eine schonende und gebärmuttererhaltende Alternative im Vergleich zur Operation darstellt.

Die Myomembolisation wird nach exakter Abklärung durch eine frauenärztliche Untersuchung, von Radiologen mit spezieller Ausbildung für radiologische minimal invasive Eingriffe durchgeführt.

Wann kann die Embolisation zur Myombehandlung eingesetzt werden?

Grundlage für die Wahl der richtigen und besten Therapie ist eine ausführliche frauenärztliche körperliche Untersuchung mit Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), sowie Einholung der entsprechenden diagnostischen Befunde.

Die Wahl der Therapieoption eines Myoms ist abhängig von der Größe der Geschwulst und den Beschwerden der Patientin. Die Entscheidung für eine Myomembolisation wird neben der Absprache der Patientinnen in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen der Frauenärztin / dem Frauenarzt und der Radiologin / dem Radiologen getroffen.

Eine Myomembolisation kann vorgenommen werden, wenn:

  • nach der Untersuchung durch eine Frauenärztin / einen Frauenarzt die Beschwerden auf das Vorhandensein von Myomen zurückgeführt werden können und andere mögliche Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen sind.
  • eine medikamentöse Behandlung keine ausreichende oder anhaltende Besserung der Beschwerden erbracht hat oder als Alternative wenn bereits eine Operation empfohlen wurde.
  • kein Kinderwunsch mehr besteht. Obwohl Schwangerschaften nach einer Myomembolisation bekannt sind, liegen keine gesicherten Studien diesbezüglich vor. Bei bestehender Schwangerschaft kann diese Therapieoption nicht eingesetzt werden.
  • die Gebärmutter insgesamt nicht über Nabelhöhe (entsprechend einer 24. Schwangerschaftswoche) vergrößert ist. Auch sollte durch Ultraschall geklärt werden, ob sogenannte „gestielte subseröse Myomknoten“ (siehe Artikel: Myome ) vorliegen, da diese nicht behandelt werden können und auch die Behandlung benachbarter Myome erschweren.

Wann kann die Embolisation zur Myombehandlung eingesetzt werden?

Ausgehend von der Anamnese, der frauenärztlichen körperlichen Untersuchung und der erhobenen diagnostischen Befunde (Ultraschall, MRT, CT) wird der Arzt zusätzliche Untersuchungen zur Vorbereitung auf die Myomembolisation (z. B. Blutuntersuchungen: Gerinnung, Schilddrüsenfunktion, Nierenfunktion) anordnen. Informieren Sie den Arzt jedenfalls über alle Medikamente die Sie einnehmen bzw. Krankheiten oder Allergien (speziell Kontrastmittelallergie, Jodallergie) die Sie durchgemacht haben.

Sowohl die Frauenärztin / der Frauenarzt, als auch die Spezialistin / der Spezialist für radiologische interventionelle Eingriffe wird die Patientin über den genauen Ablauf des Eingriffes und über mögliche Risiken aufklären. Selbstverständlich werden bei diesem Aufklärungsgespräch auch alle Verhaltensmaßnahmen nach dem Eingriff erläutert und auf mögliche Fragen der Patientin eingegangen. Es kann hilfreich für die Patientin sein, wenn sie sich auf dieses Gespräch, gegebenenfalls gemeinsam mit einer vertrauten Person, vorbereiten und sich einige Fragen notieren. Häufig kommt es vor, dass den Patienten im Gespräch mit dem Arzt wichtige Fragen plötzlich nicht mehr einfallen.

Es ist ratsam, für die Zeit nach dem Eingriff ungefähr sieben bis zehn freie Tage einzuplanen, da man in der ersten Zeit nach dem Eingriff noch körperlich eingeschränkt ist. Nach dem Eingriff bleiben die Patientinnen zirka 1 - 4 Tagen zur Kontrolle im Krankenhaus.

Wie läuft die Myomembolisation ab?

Myome

Am Tag des Eingriffs werden einige Vorbereitungen getroffen. So ist es notwendig, dass ein Blasenkatheter und eine Verweilkanüle in die Armvene für eine Infusion gelegt werden. Häufig wird bereits am Vorabend des Eingriffes ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Der eigentliche Vorgang der Embolisation wird unter sterilen Bedingungen nach lokaler Betäubung der Leiste (Lokalanästhesie) durchgeführt und ist damit weitestgehend schmerzlos.

Nach der Betäubung wird mit einer kleinen Nadel die Leistenarterie (Femuralarterie) punktiert und ein Katheter unter Röntgenkontrolle bis in die Schlagader eingebracht, die die Gebärmutter mit Blut versorgt (Uterusarterie). Über diesen Katheter werden kleine Kügelchen (Embolisationspartikel) in das Myom eingeschwemmt, die die Blutgefäße des Myoms von innen „verkleben“.

Nachfolgend wird der Katheter in die Gebärmutterarterie der anderen Körperseite umgelagert, und der Ablauf wird für die zweite Seite analog zur ersten wiederholt. Hierfür ist keine zweite Punktion erforderlich, d.h. die Behandlung erfolgt im Regelfall über nur eine Punktionsstelle in der rechten Leiste. Die Embolisation erfolgt über die Gebärmutterarterien beider Seiten, da Myome typischerweise über beide Seiten mit Blut versorgt werden. Bei Vorliegen mehrerer Myome ist es durch das Verfahren möglich, gleichzeitig alle Myome zu behandeln.

Nach dem Eingriff wird der Katheter entfernt und ein Druckverband angelegt, sowie die Patientin angewiesen eine 24-stündige Bettruhe einzuhalten.

Der Eingriff selbst dauert 1 - 2 Stunden. Dies hängt von der Myomgröße und -anzahl ab bzw. wie schwierig es ist die Gebärmutterarterien aufzusuchen.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die bislang vorliegenden Erfahrungen mit weltweit vielen tausend durchgeführten Myomembolisationen zeigen, dass die Embolisationsbehandlung bei 85 bis 90 % aller behandelten Frauen erfolgreich ist.

In Studien - bei denen Frauen mehrere Jahre beobachtet wurden - konnte kein Nachwachsen und kein Neuauftreten der Myome festgestellt werden.

Durch die Embolisation verkleinert sich das Myom über einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten. Die myombedingten Beschwerden werden durch die Embolisation meist schon im Verlauf der ersten drei Monate gelindert.

Wie geht es der Patientin nach der Behandlung?

Hervorgerufen durch den abrupten Stopp der Blutzufuhr zum Myom und durch die dadurch möglichen Entzündung nach der Behandlung können Übelkeit, Schmerzen in Unterleib und ein Temperaturanstieg auftreten (Postembolisationssyndrom). Diese Beschwerden lassen sich mit entsprechenden Medikamenten gut behandeln.

Nach der Behandlung können die Patientinnen sich etwas abgeschlagen und müde für eine Phase von etwa zwei Wochen fühlen, so dass Sie in dieser Zeit nicht arbeiten sollten.

Ausfluß tritt bei den meisten Patientinnen nach dem Eingriff auf, dieser sollte sich innerhalb 1 Woche abschwächen und er kann 2 Wochen anhalten.

Man sollte den Ausfluß keinesfalls mit Tampons behandeln, da es dadurch zum Rückstau und zur Infektion kommen könnte. Besser die Patientin benutzt Vorlagen und Binden!

Nicht normal hingegen ist ein eitriger Ausfluß aus der Scheide, starke und zunehmende Schmerzen im Unterbauch sowie ansteigendes Fieber. In diesen Fällen sollten Sie umgehend Ihren Hausarzt oder Frauenarzt, in Absprache mit diesem auch den behandelnden Krankenhausarzt aufsuchen!

In etwa 10% der Fälle - insbesondere wenn das Myom unmittelbar unter der Schleimhaut zur Gebärmutterhöhle hin gelegen ist - kann das Myom innerhalb von 3 Monaten nach Behandlung nach innen abgestoßen werden. Dabei kann es zu periodenartigen Beschwerden und blutigem Ausfluß kommen bzw. besteht eine erhöhte Infektionsanfälligkeit.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die Myom-Embolisation ist eine sehr sichere Methode. Wie alle medizinischen Eingriffe beinhaltet sie jedoch auch Risiken.

Vor dem Eingriff wird die Patientin über mögliche Risiken mit Rahmen der Beratungs- und Vorbereitungsgespräche von den behandelnden Ärzten aufgeklärt.

  • Bei der Punktion des Gefäßes sowie dem Vorschieben des Katheters kann es in sehr seltenen Fällen zu einer über die Punktionsstelle hinausgehenden Verletzung eines Blutgefäßes oder einer Blutung kommen. Außerdem ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem jodhaltigen Kontrastmittel möglich.
  • Durch Verschleppung von Embolisationspartikeln mit dem Blutstrom können andere Organe (v.a. Eierstöcke) minder durchblutet werden. Hierdurch kann es zu vorübergehenden Unregelmäßigkeiten bei der Periode kommen. Bei 3 - 7 % der Frauen, die älter als 45 Jahre sind, kann es zum vorzeitigen Eintritt der Wechseljahre kommen; bei jüngeren Frauen ist diese unerwünschte Nebenwirkung sehr selten.
  • In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Verschleppung der Emboliationspartikel in kleinere Gefäßäste der Blase und Scheide kommen. Das verschleppte Embolisat kann hier zu Schleimhautschäden führen.
  • Eine sehr seltene, aber schwerwiegende Komplikation ist eine Entzündung des embolisierten Myoms. Vor der Embolisation größerer Myome wird daher vorsorglich ein Antibiotikum zur Vermeidung einer derartigen Infektion gegeben.




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Wichtiger Hinweis: Die angegebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt! Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.