Husten, Hustenreiz

Husten, Hustenreiz: Ursache, Untersuchung, Behandlung

Autor: Priv. Doz. Dr. G.C. FunkPriv. Doz. Dr. Georg-Christian Funk - Facharzt für Lungenkrankheiten

FA für Lungenheilkunde
Zf: Kinder-Pulmologe
FA für Innere Medizin

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Husten ist einer der häufigsten Gründe, warum Patienten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Chronischer Husten ist die Folge verschiedener Erkrankungen der Atemwege und kann das Wohlbefinden des Betroffenen bedeutsam beeinträchtigen. Gestörter Schlaf, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche und Harnverlust sind die möglichen unangenehmen Folgen. In diesem Artikel werden die möglichen Ursachen, die Abklärung und die Behandlungsmöglichkeiten von chronischem Husten besprochen.

Husten ist eine wichtige normale Funktion des Körpers, welche der Reinhaltung der Atemwege dient. Wenn Staub oder Mikroorganismen die Schleimhaut der Atemwege reizen, wird die Hustenfunktion aktiviert, die verunreinigte Luft ausgestoßen und somit Infektionen vorgebeugt. Am Zustandekommen des Hustenstoßes sind der Zwerchfellmuskel sowie der Kehlkopf beteiligt, wobei Geschwindigkeiten der Luft von mehreren 100 km pro Stunde erreicht werden können.

Akuter, also weniger als 8 Wochen bestehender, Husten ist üblicherweise kein gefährliches Problem sondern Ausdruck einer akuten Infektion oder Reizung der Atemwege. Bei einer Hustendauer von über 8 Wochen spricht man von chronischem Husten, welcher Ausdruck einer ernst zu nehmenden zugrunde liegenden Problematik sein kann und außerdem äußerst störend sein kann.

Ursachen von chronischen Husten

Die häufigsten Ursachen für chronischen Husten sind chronische Entzündungen der Nase und Nasennebenhöhlen, Asthma und Säurereflux aus dem Magen. Diese drei Ursachen verursachen bis zu 90% aller Fälle von chronischem Husten. Seltener sind Infektionen, Medikamentennebenwirkungen und Lungenerkrankungen für den chronischen Husten verantwortlich.

Ursache für Husten: Chronische Sinusitis

Bei einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) aber auch bei akuten Entzündungen und Infektionen der Nasehöhle und bei Allergien kann es zum Herabrinnen von entzündlichem Sekret aus der Nasenhöhle über den Rachen in den Kehlkopfbereich und die Atemwege kommen. Dieses Phänomen wird im Englischen als „post nasal drip“ bezeichnet. Typische Symptome beinhalten eine verlegte oder rinnende Nase, das Gefühl von Flüssigkeit im Rachen, sowie das Bedürfnis, sich häufiger räuspern zu müssen. Es gibt allerdings auch Patienten, bei denen sich dieses Problem des „post nasal drip“ allein mit Husten bemerkbar macht.

Ursache für Husten: Asthma

Asthma ist die zweithäufigste Ursache von chronischem Husten bei Erwachsenen und bei Kindern sogar die häufigste Ursache. Typischerweise treten bei Menschen mit Asthma nicht nur Husten sondern auch anfallartige Kurzatmigkeit und pfeifende Atemgeräusche auf. Allerdings gibt es auch Asthmaformen, bei denen sich diese Erkrankung mit Husten alleine äußert. Die Symptome können jahreszeitlich gehäuft auftreten besonders wenn Allergien dafür verantwortlich sind, oder aber auch im Anschluß an eine Atemwegsinfektion. Die Beschwerden nehmen typischerweise nach Kontakt mit kalter, trockener Luft oder mit bestimmten Dämpfen oder Stäuben zu.

Ursache für Husten: Säurereflux aus dem Magen

Das Zurückrinnen von saurem Magensaft über die Speiseröhre in den Rachen wird als Säurereflux bezeichnet. Die typischen Symptome sind das saure Aufstoßen und das Brennen im Bereich der Brust verbunden mit einem sauren Geschmack im Mund. Aufgrund der waagrechten Körperposition treten die Beschwerden häufig im Liegen bzw. nachts auf, sowie nach einem ausgiebigen Essen. Säurereflux kann dazu führen, dass Magensäure in geringen Mengen in die Lunge eingeatmet wird, was in der Folge im Kehlkopf und in den großen Luftwegen einen chronischen Husten verursacht.

Ursache für Husten: Atemwegsinfektion

Im Anschluß an eine banale respiratorische Infektion („Verkühlung", "Erkältung“) kann es gelegentlich zu einem Husten kommen welcher länger als 8 Wochen dauert. Dies kann einerseits durch einer Mitbeteiligung der Nasenhöhle oder Nasennebenhöhlen verursacht sein oder durch eine verstärkte Empfindlichkeit der großen Luftwege infolge der Infektion. Zigarettenrauch verstärkt dieses Problem, sodass bei Rauchern oft noch viele Wochen nach einem einfachen Infekt ein ausgeprägter meist trockener Husten besteht.

Ursache für Husten: ACE-Hemmer

ACE Hemmer (engl. 'angiotensin converting enzyme inhibitors') sind in der Behandlung von Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzte Medikamente, welche bei bis zu 20% der Patienten einen chronischen Husten verursachen können. Durch Wechsel des Medikamentes kommt es häufig zu einer Verbesserung oder zum Verschwinden des Hustens innerhalb von 1 bis 2 Wochen.

Ursache für Husten: Chronische Bronchitis

Von einer chronischen Bronchitis spricht man, wenn eine Entzündung der Schleimhaut der Atemwege Husten und Auswurf verursacht, wobei die Beschwerden an den meisten Tagen während mindestens drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren bestehen. Die chronische Bronchitis tritt besonders bei aktiven oder ehemaligen Rauchern auf und ist häufig ein Symptom der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.

Ursache für Husten: Lungenkrebs

Chronischer Husten ist lediglich sehr selten ein Ausdruck von Lungenkrebs. Allerdings sollte diese Ursache eines chronischen Hustens immer dann ausgeschlossen werden, wenn der Patient aufgrund von Tabakrauchen ein höheres Risiko für Lungenkrebs hat. Wenn beim Husten zusätzlich Blut oder Blutspuren beobachtet werden, so handelt es sich um Alarmzeichen welches unbedingt rasch abgeklärt werden soll.

Ursache für Husten: Eosinophile Bronchitis

Bei dieser speziellen und seltenen Form der Atemwegsentzündung findet sich als Hauptsymptom ein chronischer Husten, jedoch keine Hinweise und keine anderen Symptome für ein Asthma. Der Nachweis von eosinophilen Leukozyten (eine besondere Untergruppe der weißen Blutkörperchen) im Auswurf, sowie eine normale Lungenfunktion und das Ansprechen auf inhaliertes Kortison legt diese Diagnose nahe.

Untersuchung und Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung

Die entscheidende Maßnahme zur Abklärung durch den Spezialisten eines chronischen Hustens ist die Erhebung einer genauen Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden (Anamnese). Der zweite Punkt ist eine sorgfältige klinische Untersuchung, also die Untersuchung mit den Augen, den Händen und mit dem Stethoskop. Wenn der Husten länger als 8 Wochen besteht, also chronisch ist und/oder wenn es sich bei dem Patienten um einen Raucher handelt, ist ein Lungenröntgen notwendig. Da die exakte Klärung der Hustenursache häufig nur mit aufwendigeren Untersuchungen möglich ist, wird üblicherweise aufgrund der Anamnese, der klinischen Untersuchung, des Lungenröntgens und der Lungenfunktion eine Verdachtsdiagnose geäußert und versuchsweise behandelt. Wenn es darunter zu keiner Heilung kommt sind oft weitere Untersuchungen erforderlich.

Lungenfunktionsuntersuchung

Wenn ein Asthma oder eine chronische obstruktive Bronchitis (COPD) vermutet wird, ist zum Beweis eine Lungenfunktionsprüfung erforderlich. Hier zeigt sich ein typisches Flußmuster der Atemluft, anhand dessen die beiden Erkrankungen nachgewiesen werden können.

Säurereflux

Um den Säurereflux aus dem Magen zu beweisen bzw. mit letzter Sicherzeit auszuschließen ist in manchen Fällen eine sogenannte pH-Metrie erforderlich. Dabei wird eine dünne und biegsame Sonde über 24 Stunden in Magen und Speiseröhre belassen und der Säuregehalt gemessen. Bei manchen Patienten ist auch eine Magenspiegelung erforderlich und/oder die Entnahme einer Gewebeprobe aus der Speiseröhre.

Behandlung des chronischen Hustens

Die entscheidende Strategie zur erfolgreichen Behandlung des chronischen Hustens ist die Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache, da es sich bei Husten prinzipiell nicht um eine Krankheit sondern um ein Symptom einer Krankheit handelt. Die zugrundeliegenden Probleme werden unterschiedlich behandelt:

Sinusitis und Rhinitis (Nasennebenhöhlenentzündung und Nasenentzündungen)

Abschwellende Nasentropfen, nasale und/oder orale Antihistaminika, sowie entzündungshemmende Nasensprays, können hier zu einer Besserung führen. Sofern Polypen und/oder Eiterungen bzw. Abszesse im Bereich der Nasennebenhöhlen existieren, müssen diese entsprechend behandelt werden. Wenn eine Allergie das zugrundeliegende Problem für die Rhinitis ist, ist eine entsprechende medikamentöse Therapie der Allergie erforderlich.

Asthma

Wenn Asthma die Ursache des chronischen Hustens ist, wird es unter der normalen Behandlung der der Asthmaerkrankung zu einer Besserung des Hustens kommen. Üblicherweise wird ein Bronchodilatator (ein die Luftwege erweiterndes Medikament) sowie ein entzündungshemmendes Medikament inhaliert.

Säurereflux

In diesem Fall werden in erster Linie Veränderungen des Lebensstils empfohlen, bevor eine medikamentöse oder operative Therapie gewählt wird:

  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Vermeidung von Nahrungsmittel, welche Reflux fördern, z.B. fettreiche Kost, Schokolade, kohlensäurehaltige Getränke, Rotwein, Fruchtsäfte, sowie exzessiver Alkoholgenuß
  • Aufgeben des Zigarettenrauchens
  • Keine Nahrungseinnahme 2 bis 3 Stunden vor dem Zubettgehen.
  • Hochlagern des Kopfes und des Oberkörpers um 15° bis 20°

Zusätzlich kann die Säureproduktion im Magen mittels verschiedener Medikamente unterdrückt werden. Es kann jedoch mehr als 8 Wochen dauern bis sich unter dieser Therapie der Husten verbessert. In manchen Fällen muss durch eine Operation das Zurückfließen der Magensäure unterbunden werden.

Unterdrückung des Hustens und symptomatische Behandlung

Medikamente wie Codein sind verschreibungspflichtige Substanzen welche einen ausgeprägten hustenstillenden Effekt haben. Die Anwendung dieser Substanzen kann besonders in der Nacht notwendig sein, wenn ein quälender Husten einem erholsamen Schlaf im Weg steht. Allerdings sind diese Medikamente auch sedierend (dämpfen also die Aufmerksamkeit) und sind daher nicht als Dauerlösung sondern als Überbrückung geeignet.

Übersicht - Diagnostik • Behandlungen • Operationen





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Wichtiger Hinweis: Die angegebenen Krankheitszeichen (Symptome) werden sehr häufig bei der Diagnose zu dieser Erkrankung beobachtet. Jedoch kann diese Erkrankung auch ohne bzw. mit anderen Krankheitszeichen vorliegen. Sollten Sie an ähnlichen Krankheitszeichen wie beschrieben leiden, dürfen Sie nicht daraus schließen, dass diese Erkrankung auf sie zutrifft.
Fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt! Bei nahezu allen Erkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung und damit die rasche ärztliche Intervention für den Heilungserfolg von größter Bedeutung.